Anwendungen

Digitale Identitäten

Um digitale Anwendungen wie E-Commerce Shops, Handelsplätze verschiedenster Art, Foren, oder soziale Medien nutzen zu können, muss ein Nutzer verifiziert werden. Abhängig von der konkreten Anwendung reicht eine Validierung einer E-Mail Adresse aus oder es muss ein kompletter KYC-Prozess (Know-your-Customer) durchlaufen werden, was den Upload von Ausweisdokumenten, einen Wohnsitznachweis oder Videotelefonie erfordern kann. Praktisch jeder verwendet heute bereits multiple digitale Identitäten, die nicht ausschließlich aus rechtlichen Gründen differieren. Die digitale Identität zur privaten Nutzung von sozialen Medien wird sich deutlich von der digitalen Identität zur beruflichen Nutzung (Linked-In etc.) unterscheiden.

Digitale Identitäten lassen sich in isolierte Identitätsmodelle (eine Identität je Anwendung), zentralisierte Identitätsmodelle (eine Identität für mehrere Anwendungen) und nutzerzentrierte Modelle unterscheiden. Zentralisierte Modelle haben gegenüber isolierten Modellen den Vorteil, dass auf Seiten der Kunden und der Unternehmen Zeit- und Kostenintensive KYC Prozesse nicht wiederholt durchlaufen werden müssen. Zukunftsorientierter, sind jedoch nutzerzentrierte Modelle. Der Nutzer behält in diesen Modellen die volle Kontrolle über seine persönlichen Daten und entscheidet welche Teile er für welchen Zeitraum zur Verfügung stellen möchte. Dies unterscheidet sich fundamental von der gegenwärtigen Situation in der digitale Identitäten häufig faktisch von großen Konzernen kontrolliert werden. In der Umsetzung dieser Modelle kann Blockchain Technologie eine Schlüsseltechnologie darstellen. Bei der konkreten Ausgestaltung ist die Beachtung aller datenschutzrechtlichen Vorschriften zu berücksichtigen.

Finanzsektor

Im Finanzsektor lassen sich die ersten Blockchain Anwendungen finden. Die Kryptowährung Bitcoin ist der erste praktische Anwendungsfall von Blockchain. Kryptowährungen stellen Systeme dar um Werte einfach, sicher, schnell und kostengünstig ohne Preisgabe privater Informationen und ohne Intermediär (z.B. Banken) zu übertragen. Kryptowährungen sind keine staatlich herausgegebenen Währungen, gleichwohl akzeptieren diverse Dienstleister diese als Zahlungsmittel, einige Staaten wie beispielsweise Japan haben Bitcoin zum legalen Zahlungsmittel erklärt. Mit den übertragenen Coins oder Token können zudem Rechte unterschiedlicher Art verbunden und damit transferiert werden. Das Versenden von Kryptowährungen dauert im Normalfall zwischen 30 min und wenigen Sekunden. Dabei spielt es keine Rolle wo sich die beteiligten Parteien befinden. Auch wenn der Finanzsektor keine Kryptowährungen nutzen sollte, so bietet sich die zu Grunde legende Technologie an, um eine Transaktion durch Token abzubilden. Insbesondere im Bereich von Clearing und Settlements sind erhebliche Kosteneinsparungen zu erwarten. Der internationale Zahlungsverkehr kann drastisch beschleunigt und Kosten reduziert werden. Blockchain eröffnet aber abseits von bestehenden System auch neue Möglichkeiten. So könnte durch die Transparenz und Sicherheit der Technologie die private Kreditvergabe die Kreditvergabe durch Banken ablösen.

Lieferketten

Transparenz und Sicherheit der Lieferketten spielen sowohl für Endverbraucher als auch Unternehmen eine wichtige Rolle. Gegenwärtig kann zunehmend die Einführung von Labels beobachtet werden, die soziale und ökologische Standards in der Produktion garantieren sollen. Der Erfolg solcher Systeme ist aber in hohem Maße vom Vertrauen der Kunden abhängig. Ein Blockchain basiertes System kann durch die Eigenschaften der Blockchain wie Transparenz und Unveränderbarkeit dieses Vertrauen in einem größeren Maße generieren als herkömmliche Systeme. Zudem kann eine solche Lösung günstiger sein. Aus Unternehmerischer Sicht spielen vor allem die Themen Qualitätssicherung und Schaden durch Produktfälschungen eine erhebliche Rolle. Hier gibt es bereits verschiedene Versuche der Produzenten Blockchain basierte Systeme aufzubauen, etwa im Pharma- oder im Lebensmittelbereich. 

Logistik

Auch heute noch werden bei der Versendung einer Ware die meisten Frachtinformationsdokumente in Papierform mitgeführt. Die Anzahl der beteiligten Stellen wie Zoll, Transporteure etc, beläuft sich nach Branchenangaben bei der Versendung einer Ware in die Vereinigten Staaten auf bis zu 20 Stellen. Erwartungsgemäß ist ein Prozess mit einer Vielzahl beteiligter Stellen, der zudem noch immer zu einem großen Teil analog gestaltet wird, fehleranfällig. Die Kosten die durch Verzögerungen von Lieferungen durch Fehler im Prozess entstehen sind substanziell. Die dezentralen Eigenschaften der Lieferprozesse – die Anzahl an beteiligten Stellen – macht den Einsatz von Blockchain Technologie vielversprechend. Sie könnte hierbei eine sichere und einfach zu handhabende Plattform darstellen, auf der alle Stellen simultan arbeiten können. Ein solches System befindet sich nach einer Erprobungsphase von etwa einem Jahr bereits in Anwendung durch A.P. Möller-Maersk, der weltweit größtem Logistiker im Bereich von Containern. Die Beteiligung von 92 anderen Parteien – u.a. mit Rotterdam einer der größten Containerhäfen weltweit – spricht für das Potential dieses Projekts.

Internet der Dinge

Das Internet der Dinge eröffnet völlig neue Möglichkeiten der Automatisierung. Die Kommunikation betrifft nicht mehr Mensch und Maschine, sondern findet zwischen digital vernetzten physischen Objekten statt, die Daten über Ihren Zustand übermitteln.

In Kombination mit Smart Contracts ist denkbar, dass Objekte ihren Wartungszustand übermitteln, selbständig eine Wartung veranlassen oder diese als entgeltliche Leistung erbringen und eigenständig Rechnungen schreiben. Blockchain kann hier die benötigte Technologie zur sicheren, nachweisbaren Übertragung der Daten darstellen. Als Herausforderung ist die Skalierbarkeit zu nennen. Obwohl sich die Anzahl der Transaktionen, die Blockchain pro Zeiteinheit abwickeln kann durch technische Neuerungen stark erhöht hat, ist diese immer noch weit von der benötigten Menge entfernt. Alternative Netzwerkarchitekturen, die die Skalierbarkeit in den Vordergrund stellen werden erprobt.  

Verwaltung

Die Eigenschaft der Unveränderbarkeit der Blockchain macht diese Technologie besonders geeignet Nachweise von Herkunft, Echtheit oder Rechten an Dokumenten oder Objekten zu verwalten. Damit ergeben sich Potentiale um die Verwaltung öffentlicher Register effektiver zu gestalten. Registerdaten die mit Hilfe von Blockchain verwaltet werden, können zudem einem berechtigten Netzwerk einfach und sicher zur Verfügung gestellt werden. Eine Umsetzung würde wahrscheinlich in einer von Staaten betriebenen privaten Blockchain bestehen.

Die dezentrale Erhebung und Verwaltung der Daten insbesondere durch unterschiedliche Institutionen auf regionaler Ebene stellt die öffentliche Verwaltung vor die Problematik eines Datenabgleichs. Beispielsweise wird mittels Blockchain versucht die Arbeit des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) effektiver zu gestalten. Doppelmeldungen können vermieden oder entdeckt werden und der Abgleich zwischen regionalen Stellen kann optimiert werden.