Brauche ich eine Blockchain ?

Nils Drews Artikel

Blockchain bietet bei spezifischen Anwendungen ein erhebliches Potential Kosten zu senken und Prozesse sicherer und transparenter zu gestalten. Klassische Datenbanklösungen sind jedoch durch Blockchain Technologie nicht obsolet geworden und können eine alternative Technologie darstellen, insbesondere bei zentralisierten Prozessen. Die Eigenschaften der Blockchain determinieren die geeigneten Anwendungsbereiche. Die wesentlichen Eigenschaften einer öffentlichen Blockchain wie beispielsweise der Bitcoin Blockchain sind:

  • Dezentral: Die Daten werden nicht an zentraler Stelle gehalten, sondern verteilt bei allen Teilnehmern der Blockchain.
  • Sicherheit: Durch die dezentrale Datenhaltung minimiert sich das Risiko von Datenverlust.
  • Vertrauen: Teilnehmer vertrauen der Technologie, nicht einer zentralen Instanz.
  • Transparenz: Jede Transaktion ist für alle Teilnehmer einsehbar.
  • Unveränderbarkeit: Daten, die in der Blockchain erfasst wurden, können nachträglich nicht mehr verändert werden.
  • Anonymität: Eine Transaktion erfordert nicht die Preisgabe persönlicher Informationen.

Die Anwendung einer Blockchain empfiehlt sich in zunehmendem Maße, je relevanter die Eigenschaften der Blockchain bei einem spezifischen Prozess sind. Um zu beurteilen, ob Blockchain eingesetzt werden sollte, kann es hilfreich sein, typische Anwendungsbeispiele zu analysieren und ähnliche Prozesse zu identifizieren. An den Entscheidungsprozess für Blockchain können natürlich eine Vielzahl von Fragen gestellt werden, die grundlegenden sind in folgendem Entscheidungsbaum dargestellt.

Sollen Daten dauerhaft gesichert werden?

Daten die in eine Blockchain übertragen wurden, können zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr verändert werden. Ist die Dauerhaftigkeit der Daten nicht von Bedeutung, wird keine Blockchain benötigt.

Gibt es eine Vielzahl von Schreibberechtigten?

Dezentralität ist die wichtigste Eigenschaft von Blockchain. Wird eine Blockchain für einen zentralisierten Prozess – d.h. es gibt nur eine Stelle mit Schreibrechten – verwendet, so ist die Sicherheit gegenüber traditionellen Lösungen kaum erhöht, es gibt einen zentralen Angriffspunkt. Die Frage nach Vertrauen, Transparenz oder Anonymität stellt sicher erst gar nicht wenn nur eine Stelle an einem Prozess beteiligt ist. In diesem Fall ist eine Blockchain auch nicht unveränderbar. Die Verwendung von Blockchain macht in diesem Fall kaum Sinn.

Kann eine unabhängige vertrauenswürdige dritte Partei verwendet werden?

Bei einer Überweisung zwischen A und B kann beispielsweise eine Bank diese Rolle einnehmen. In anderen Prozessen Notare oder Treuhänder oder Marktplätze. Können alle Berechtigten sich auf eine vertrauenswürdige dritte Partei einigen, spricht dies eher für ein zentralisiertes System. Allerdings können die Kosten solcher dritten Parteien durchaus dazu führen eine alternative Lösung zu verwenden.

Sind alle Berechtigten bekannt?

Soll ein System es auch unbekannten Stellen ermöglichen teil zu nehmen, besteht generell ein Vertrauensproblem. Blockchain löst durch ihre Eigenschaften dieses Problem. Sind alle Berechtigten bekannt, kann dieses Vertrauen womöglich auch auf anderem Weg hergestellt werden.

Kann allen Berechtigten vertraut werden?

Haben alle Beteiligten das selbe Interesse? Wird dies auch in Zukunft garantiert so bleiben? Unternehmensintern wird dies durchaus häufig der Fall sein, eine Datenbank mit Schreibrechten für alle Beteiligten stellt dann eine Lösung dar. Verlässt man aber die Unternehmensebene, nimmt dieses Vertrauen ab – sonst benötigten wir keine Verträge bei Geschäftsbeziehungen. 

Sollte für einen Prozess anhand des Entscheidungsbaums Blockchain in Frage kommen, stellen sich eine Reihe anschliessender Fragen, insbesondere nach der Skalierbarkeit, ob öffentliche Transparenz notwendig oder sogar unmöglich ist oder wie die Kontrolle über technische Veränderungen gestaltet werden muss. Abhängig von den Anforderungen kann eine Lösung durch eine öffentliche Blockchain oder eine private Blockchain erfolgen.

Soll die Funktionalität bestimmt werden?

Einer technischen Veränderung der Blockchain muss die Mehrheit der Beteiligten zustimmen. Dies ist zwar ein demokratischer Prozess, der aber langwierig sein kann (vgl. Bitcoins Skalierungsdebatte). Ist dies nicht akzeptabel, kann keine öffentliche Blockchain verwendet werden.

Dürfen/sollen Transaktionen öffentlich sein

Daten in einer öffentlichen Blockchain sind von jedem einsehbar. Es besteht zwar die Möglichkeit nicht die Daten selbst, sondern beispielsweise den Hashwert eines Textes in die Blockchain zu übertragen, dennoch wird diese Öffentlichkeit von Unternehmen oftmals nicht gewünscht.

Wer validiert Transaktionen?

Dies bedeutet im Zusammenhang mit Blockchain wer Schreibrechte besitzt. Das initiieren einer Transaktion ist nicht damit zu verwechseln. Schreibrechte beinhalten das Recht eine Transaktion zu validieren und damit zu entscheiden was in die Blockchain aufgenommen werden kann. Der Nutzen einer Blockchain, die komplett von einer zentralen Stelle betrieben wird häufig in Frage gestellt.

Hybrid Modelle

Hybrid Modelle bestehen aus einer privaten Blockchain auf der die Transaktionen erfolgen. Aus diesen Transaktionen gebildete Hashwerte werden dann in eine öffentliche Blockchain übertragen. Diese Modelle könnten damit die Vorteile von privaten und öffentlichen Blockchains kombinieren.